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Echte körper minden

Minden mt.

Echte Körper Minden

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Die erste Veranstaltung der Themenreihe "Was Sie schon immer über fairen Handel wissen wollten" am

Name: Tiphanie
Alter: 23

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Entdecken Sie an dieser Stelle alle zwei Monate die Geschichte hinter einem Objekt aus der Sammlung des Mindener Museums. Das Sammeln, Bewahren und Erforschen von Objekten sind wesentliche Aufgaben eines Museums. Sie finden aber oft unbemerkt von der Öffentlichkeit statt. Unsere Sammlung umfasst zurzeit rund Die Vielfalt, die Geschichte und den Dokumentationsstand unserer Sammlung stellen wir alle zwei Monate am Beispiel eines Gegenstandes vor. Das Objekt im Fokus in den Monaten November und Dezember besteht aus zwei selbstgebauten Holzvögeln.

Die beiden Objekte stammen aus dem Kriegsgefangenenlager Minden, das während des Ersten Weltkriegs auf der Minderheide bestand. Minden wurde zu Beginn des Weltkriegs einer von 95 Standorten eines Kriegsgefangenenlagers für Mannschaften im Deutschen Reich. Die ersten Gefangenen trafen hier Mitte September ein. Sie stammten aus Frankreich, Belgien und England. Die Internierten wurden in ein provisorisches Lager auf dem vorher als Truppenübungs- Parade- und Flugplatz genutzten Militärgelände auf der Minderheide verbracht.

Diese Phase der improvisierten Internierung dauerte bis ins Frühjahr Erst danach hatte man eine Infrastruktur geschaffen, die die elementarsten Bedürfnisse der Gefangenen abdeckte. Bis dahin war es vor allem wegen fehlender sanitärer und medizinischer Einrichtungen zu teilweise erheblichen Verletzungen der völkerrechtlichen Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung gekommen.

Wie fair ist der faire handel?

Die Einhaltung des internationalen Völkerrechts wurde dabei durch einen trägen Aufbau von Organisation und Infrastruktur sowie Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen militärischen und zivilen Behörden behindert. Kriegsbedingter Personal- und Materialmangel verschärften das Missverhältnis zwischen Rechtsnorm und Realität.

Im Oktober gehörten Von den 1,5 Mio. Weitere Seit Januar sorgte der Mangel an Arbeitskräften dafür, dass die kriegsgefangenen Mannschaften in Landwirtschaft, Bergbau und Industrie eingesetzt wurden. Offiziere waren aufgrund der Haager Landkriegsordnung davon befreit. Die Kriegsgefangenen wurden zu unentbehrlichen Arbeitskräften, ohne die die Kriegswirtschaft des Deutschen Reiches nicht bis durchgehalten hätte.

Nach dem Waffenstillstand vom November wurden alle im Lager Minden befindlichen Belgier, Franzosen, Engländer und Italiener bis Anfang in Sonderzügen zu je 1. Der Übergang vom Krieg zum Frieden, von der Gefangenschaft in die Freiheit, endete dagegen für die meisten Gefangenen des früheren Zarenreiches noch nicht.

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Manche wollten angesichts des revolutionären Bürgerkrieges in Russland lieber hierbleiben. In den krisenhaften Nachkriegsjahren wurde aus dem Gefangen- ein Interniertenlager, in dem sich noch rund 3. Anfang Januar wurde es aufgelöst und das verbliebene Inventar versteigert. Einige Gegenstände gelangten zu diesem Zeitpunkt in die Sammlung des Mindener Museums. In der Sammlung befinden sich heute etwa 50 künstlerische Objekte, darunter mehrere der dekorativen Holzvögel.

Der Glücksvogel stammt aus der Mythologie der Volksgruppe der Pomoren. Es ist daher wahrscheinlich, dass die geschnitzten Holzvögel von Kriegsgefangenen aus dieser russischen Region und von dieser Ethnie gefertigt worden sind.

Die Federn sind ebenfalls aus einem massiven Stück Holz gearbeitet. Nachdem die Form der Federn herausgeschnitzt ist, werden die einzelnen Federn aus dem Stück brettchenartig gespalten. Diese Brettchen werden dann wie Federn aufgefächert.

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Traditionell besteht der Vogel aus Zedernholz und wird im Flug dargestellt. Nur in wenigen Fällen wird der Vogel verziert. Die Gefangenen hatten in der Woche kaum Freizeit, nur der Sonntag war weitgehend frei von Diensten.

Jede Gelegenheit wurde genutzt, um Abwechslung in den monotonen Lageralltag zu bringen: Briefe schreiben, basteln, schnitzen, malen, spielen, musizieren oder Sport treiben. Vielfältigste Formen der Freizeitbeschäftigung sind für das Lager Minden belegt.

Ein überblick über lokale -, nationale – und internationale strukturen

Bedingt durch den Bürgerkrieg in Russland und durch weitere Faktoren war ihre Versorgungslage oft wesentlich schlechter als die der westlichen Gefangenen. Möglicherweise entstanden aus diesem Grund auch die beiden dekorativen Holzvögel. Das Objekt im Fokus in den Monaten September und Oktober ist ein hölzerner Pferdeschuh. Er wurde im Moor oder bei anderen weichen Böden eingesetzt. Der aus einem Stück geschnitzte Schuh gehört zu einer Spezialsammlung des Mindener Museums.

In den er Jahren erhielt das Museum zwei Nachlässe von August Stürenberg und von Fritz Sierig. Beide betrieben Hufbeschlag—Lehrschmieden in Minden. Hufbeschlag-Lehranstalten sind ursprünglich bei tierärztlichen Hochschulen angesiedelt.

Ab findet man sie auch im Umkreis des Militärs. Zwischen und werden nur noch 5 in ganz Deutschland gezählt - eine davon in Minden.

Auf expedition ins tierreich

Ab befindet sie sich in seinem Besitz. Er betreibt sie bis in das Jahr Fritz Sierig erlernt in Minden das Schmiedehandwerk. In Berlin-Charlottenburg wird er dann Hufbeschlaglehrmeister. Ab macht er sich mit einer Werkstatt für Bauschlosserei, Schmiede, Hufbeschlag und Fahrzeugbau in Minden selbstständig.

Er bildet in Zusammenarbeit mit dem Kreis auch Hufschmiede aus — ein Lehrgang dauert damals drei Monate. Der theoretische Unterricht wird vom Kreisveterinärarzt übernommen. Pferde sind vor dem Automobil ein wichtiges Transportmittel. Die Pflege der Hufe ist elementar, um ihre Belastbarkeit zu erhalten.

Es gibt daher neben Spezialbeschlägen für medizinische Probleme auch Hufeisen, um die Abnutzung des Horns zu verringern. Für einen temporären Schutz der Hufe und medizinische Sonderfälle, die einen feste Befestigung mittels Nägeln im Huf nicht zulassen, werden Hufschuhe verwendet. Damit soll das Einsinken im weichen Untergrund verhindert oder zumindest erschwert werden.

Zum anderen wird die Feuchtigkeit verringert, die den Pferdehuf aus Horn quellen lässt. Ein schnelles Trocknen kann zu Rissen führen und den Huf nachhaltig schädigen. Festgeschnallt werden die Moorschuhe mithilfe eines Lederbandes. Der Abbau von Torf in der Region ist seit dem Er ist zeitweise eine ergiebige Erwerbsquelle für die Menschen. Neben dem Eigenbedarf und dem Verkauf nach Minden, wird Torf auch in Richtung des heutigen Bad Oeynhausen und Bielefeld exportiert. Der Torf wird per Hand mit einem speziellen Spaten gestochen.

Danach legt man ihn in Ringen zum Trocknen aus. Um die nassen, schweren Torfstücke zum Trocknen zu transportieren, verwendet man zunächst Schubkarren. Bald geht man dazu über, die Torfstücke auf ein Brett zu legen, das von einem Pferd gezogen werden kann.

Dies erspart Kraft. Nicht nur die Pferde, sondern auch die Arbeiterinnen und Arbeiter tragen im Moor Holzschuhe. Die breite Trittfläche verringert ebenfalls das Risiko des Einsinkens und des Eindringens von Feuchtigkeit. Das Pferd wird seit Ende des Das Spielzeug stammt von etwa bis zur Mitte der er Jahre. Spielzeug aus Blech wurde schon um angefertigt.

Aber erst zum Ende des Jahrhunderts wurde es zur Massenware. Möglich machten dies die industriellen Fortschritte, wie die maschinelle Blechproduktion und maschinelle Formung der Figuren. Durch die neue Offsetlithographie konnten die Bleche bedruckt werden, und mussten nicht mehr aufwendig per Hand bemalt werden.